2022 – Michael Fehr
Der hundertjährige Holzboden

Als ein Mann aufwacht, hört er ringsherum den hundertjährigen Holzboden knirschen und knacken. Für den Mann im gutmütigen hellgrauen Bett hört es sich an wie Tosen und Krachen ringsherum. Der Mann beschliesst im Bett zu bleiben, in welchem es verhältnismässig ungefährlich zu- und hergeht.

Einmal hatte sich zwar eine Biene unter die Bettdecke verirrt, und als sich dann der Mann im Aufwachen zu bewegen begann und in der Bewegung die Biene unter der Bettdecke einengte, die wohl ohnehin bereits im Verenden lag, stach sie zu und den Mann ins Bein und bereitete ihm damit die Schmerzen eines Bienenstichs. Aber das war damals die Natur der Biene, und der Zufall, dass sich eine Biene unter die Bettdecke verirrte, ist bis zum heutigen Tage nur dieses einzige Mal vorgekommen. Ansonsten ist es im hellgrauen Bett stets still und gefahrlos geblieben, warum es eigentlich keinerlei Grund gibt aufzustehen und sich dem hemmungslosen Getöse ausserhalb des Bettes auszusetzen.

aus: Michael Fehr: Hotel der Zuversicht
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