Sarah Kuratle

Sarah Kuratle, geboren 1989. Ihre Erzählungen und Gedichte erschienen in diversen Literaturzeitschriften und ihre Arbeit wurde schon mehrfach prämiert. Mit ihrem 2021 erschienenen Romandebüt «Greta und Jannis. Vor acht oder in einhundert Jahren» steht sie auf der Shortlist für den Literaturpreis «Text & Sprache».

Greta und Jannis
Greta und Jannis
Sarah Kuratle
2021, Otto Müller Verlag

Ein durchrhythmisierter Text, ein dichtes Gewebe betörender Bilder, eine surreale Atmosphäre: Sarah Kuratles Debüt ist stark von der Lyrik geprägt. Der Text handelt von einer Liebe, die nicht sein darf. Er bezieht sich auf das Märchen von Hänsel und Gretel, greift weitere Märchenmotive auf und verhandelt auf zeitlose Art aktuelle Themen wie individuelle Entfaltung und soziale Kontrolle oder das Zusammenleben von Mensch und Natur. Eine aussergewöhnliche neue Stimme.

«Es klopft ein Baum, es klopft ein Specht und sie wachen auf. Der Wald ist stockfinster, Wolken über ihren Köpfen, den Wipfeln. Sie sind verwirrt, wir haben uns verlaufen, Greta. Sie taumeln durchs Meer der Pestwurz, die Blätter, die Gerüche, sie weichen in Wellen. Wie Geister lösen sich Greta und Jannis in weiße und schwarze Flecken im grauen Nebel auf. Sie werden sich weiter verlaufen im Wald, immer weiter, denkt Greta. Auf einmal zieht sie seine Hand zurück auf den Kiesweg, der Wald ist zu Ende, endlich.»

FR   15:00–15:45
Sarah Kuratle
Lesung und Gespräch
Säulenhalle