Iryna Herasimovich

Iryna Herasimovich, geboren 1978 in Minsk. Sie arbeitet als Übersetzerin und Essayistin und hat Autoren wie Michael Kumpfmüller, Lukas Bärfuss, Jonas Lüscher und Ilma Rakusa ins Belarusische übersetzt. Iryna Herasimovich ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und Doktorandin am Slavischen Seminar der Uni Zürich.

Auszug aus der Übersetzung
Auszug aus der Übersetzung
pARTisanka-Heft Nr. 35
Iryna Herasimovich
Auszug aus der Übersetzung
2021, pARTisanka in Kooperation mit HAU Berlin

Eine der anspruchsvollsten Aufgaben von Literaturübersetzer*innen ist es, kulturprägende Narrative und sensible Begriffe auszuloten: Über- setzende verbinden Kultur- und Sprachräume, und gerade in Krisenzeiten erhält ihre Vermittlerrolle auch eine politische Dimension. Die belarussische Übersetzerin Iryna Herasimovich spricht darüber, wie sie über Literatur und Kunst reflektiert und wie wichtig es ist, auf leise Zwischentöne zu hören, damit sich neue Diskursräume öffnen können.

ІНЭС ГАЙПЕЛЬ: Што робяць звяры, ствараючы сабе ахованую прастору на зіму? Для нас зерне – гэта, можа быць, словы, а салома – непасрэдная сустрэча або падтрыманне сувязі. Мяркую, зараз важна як след заняцца ўнутранай арганізацыяй. Можа быць, неабходная канцэпцыя, як не растраціць тое, што было дасягнута: чаго ўдалося дасягнуць? Як складваецца сітуацыя? Як нам застацца бачнымі, але каб не адлоўлівалі такую колькасць людзей? І абавязкова “заставацца на сувязі”. Размаўляць пра неба, любоў ці нейкую песню. Жыць абсалютна звычайным жыццём. Свядома пашырыць паняцце рэвалюцыі. Можа быць, варта пісаць маніфесты. Штосьці кшталту: звычайнае жыццё – гэта таксама рэвалюцыя. Спячы пірог – гэта таксама рэвалюцыя. Баяцца – гэта таксама рэвалюцыя.

Ines Geipel: Was machen Tiere, wenn sie sich einen Schutzraum für den Winter bauen? Die Körner sind bei uns vielleicht die Worte, das Stroh vielleicht die direkte Begegnung oder das Kontakthalten. Ich habe die Fantasie, dass es jetzt darum geht, sich nach innen wirklich zu organisieren. Vielleicht geht es um ein Konzept, damit das Erreichte nicht zerrieben wird: Was ist erreicht? Wie ist die Situation? Wie bleiben wir sichtbar, ohne dass so viele Menschen weggefangen werden? Und immer dieses „in Kontakt bleiben“. Über den Himmel, die Liebe, ein Lied reden. Ganz normales Leben leben. Den Revolutionsbegriff bewusst erweitern. Man könnte doch vielleicht Manifeste schreiben. So etwas wie: Normales Leben heißt auch Revolution. Einen Kuchen backen heißt auch Revolution. Angst haben heißt auch Revolution.

SA   18:00–19:00
Was Russlands Krieg gegen die Ukraine mit uns macht
Podiumsdiskussion
Landhaussaal
SO   13:00–13:45
Iryna Herasimovich und Valerian Maly
Im Gespräch
Kreuzsaal
SO   10:00–10:45
Iryna Herasimovich
Übersetzerin im Porträt
de → belarussisch
Kreuzsaal